Zürich will Sonnenblumen-Halsbändel einführen – Hilfe für Menschen mit Beeinträchtigungen
Die Stadt Zürich soll das international verbreitete «Sunflower-Lanyard-System» in ihren Betrieben und Dienstleistungen einführen. Der Gemeinderat hat ein entsprechendes Postulat mit 100 zu 15 Stimmen an den Stadtrat überwiesen. Das grüne Halsband mit gelben Sonnenblumen signalisiert freiwillig, dass eine Person eine nicht sichtbare Beeinträchtigung hat und möglicherweise mehr Zeit, Rücksicht oder Unterstützung benötigt.
Zürich könnte damit die erste Schweizer Stadt werden, welche die Sonnenblumen-Halsbändel offiziell abgibt und ihre Mitarbeitenden systematisch über deren Bedeutung informiert und schult.
Ein diskretes Zeichen für besondere Bedürfnisse
Nicht jede Beeinträchtigung ist von aussen erkennbar. Menschen mit Autismus, ADHS, Demenz, chronischen Erkrankungen oder anderen Einschränkungen können im Alltag dennoch auf Unterstützung angewiesen sein.
Genau hier setzt das Sunflower-Lanyard an. Wer das grüne Band mit Sonnenblumen freiwillig trägt, signalisiert seinem Umfeld, dass beispielsweise etwas mehr Zeit, eine verständlichere Erklärung oder zusätzliche Rücksicht hilfreich sein könnte.
Eine Diagnose oder die genaue Art der Beeinträchtigung muss dabei nicht offengelegt werden. Das Halsband ist kein Ausweis und verschafft auch keine automatischen Sonderrechte.
Wie unterschiedlich sich etwa ADHS im Erwachsenenalter auf Alltag und Beruf auswirken kann, zeigt auch ein ausführlicher Überblick zu Symptomen, Diagnose und den möglichen Folgen von ADHS.
Von Schaltern bis zu Trams und Sportanlagen
Das ursprüngliche Postulat von Jehuda Spielman (FDP) und David Garcia Nuñez (AL) fordert den Stadtrat auf zu prüfen, wie das System in städtischen Betrieben und Dienstleistungen eingesetzt werden kann.
Als mögliche Einsatzorte werden unter anderem Verwaltungsstellen, Ämter, Schulen, Sportanlagen, öffentliche Verkehrsmittel, Spielplätze und weitere publikumsnahe Einrichtungen genannt.
Gleichzeitig soll geprüft werden, wie Mitarbeitende geschult werden können. Wer das Symbol kennt, soll erkennen, dass die betreffende Person möglicherweise zusätzliche Unterstützung benötigt, ohne sie zu einer ausführlichen Erklärung ihrer persönlichen Situation zu zwingen.
SBB und andere Einrichtungen nutzen das Symbol bereits
Völlig neu ist das System in der Schweiz nicht. Die SBB geben Sonnenblumen-Halsbändel bereits an verschiedenen Reisezentren ab. Auch weitere Einrichtungen und Organisationen nutzen das Symbol.
International ist die «Hidden Disabilities Sunflower» bereits deutlich weiter verbreitet und beispielsweise an Flughäfen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, Geschäften und Freizeiteinrichtungen anzutreffen.
SVP warnt vor möglicher Stigmatisierung
Im Zürcher Gemeinderat stiess das Anliegen auf eine breite Mehrheit. 100 Mitglieder stimmten für die Überweisung des Postulats, 15 dagegen.
Widerstand kam von der SVP. Ihre Vertreter stellten die Frage, ob eine sichtbare Kennzeichnung nicht gerade zu jener Stigmatisierung führen könnte, die bei Menschen mit Beeinträchtigungen eigentlich verhindert werden soll.
Die Befürworter betonten dagegen den freiwilligen Charakter. Niemand müsse ein solches Halsband tragen. Für Menschen, die es nutzen möchten, könne es jedoch den Alltag erheblich erleichtern.
Stadtrat muss Umsetzung nun prüfen
Mit dem Entscheid des Gemeinderats sind die Halsbändel noch nicht automatisch eingeführt. Der Stadtrat muss nun prüfen, wie das System konkret umgesetzt, die Bevölkerung informiert und das städtische Personal vorbereitet werden kann.
Kommt es zur Einführung, könnte das Sonnenblumensymbol künftig an vielen Orten des Zürcher Alltags sichtbar werden – als freiwilliger Hinweis darauf, dass ein Mensch möglicherweise etwas mehr Zeit oder Unterstützung benötigt.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert